Die Anwendung der Judoprinzipien
Judo ist ein wichtiger Teil des Jiutrainings. Für Jiukas gibt es eine Reihe von Judotechniken, die sich sehr gut als Abwehrtechniken einsetzen lassen. Werfen und Fallen können ist hilfreich, ebenso sind Würge- und Hebeltechniken nützlich. Da ist es spannend, für einmal genauer auf den geistigen Hintergrund des Judo zu schauen. Gelegenheit dazu bot sich in Rehetobel bei Oliver Paganini, der im Rahmen einer ganzen Serie am Samstag, den 3.9. einen Kurs über die Anwendungen der Judoprinzipien anbot.
Im Kodokanmuseum in Tokyo sind die Originale der beiden Judoprinzipien von Jigoro Kano ausgestellt. Sie lauten: Guter Gebrauch der Energie und Gemeinsames Gedeihen Aus einer Vielzahl von Interpretationen hat Oliver Paganini diese Übersetzungen gewählt.
Im Kurs wurde sehr schnell deutlich, wie gut diese beiden Judoprinzipien auf das Jiu und die Selbstverteidigung anwendbar sind. Sie stimmen mit dem Notwehrrecht und mit einem guten Selbstwertgefühl überein, aber auch mit dem Durchziehen einer Technik bis sie sauber abgeschlossen ist. Das Betrachten der eigenen Tätigkeit als Schüler oder Trainer - durch die Brille der beiden Judoprinzipien zeigte Verbesserungsmöglichkeiten für die eigenen Techniken und neue Ideen für die Trainingsgestaltung.
Alle Anwesenden waren sich einig, dass man an Judoturnieren oft kaum etwas von den Judoprinzipien sieht, dass aber sehr schönes Judo zu sehen ist, wenn Guter Gebrauch der Energie und Gemeinsames gedeihen gelebt wird. Dasselbe gilt natürlich auch für das Jiu-Training oder eine SV-Situation im Alltag. Einen Angriff ohne riesigen Kräftverschleiss abwehren können, oder sich eine Konfrontation durch rechtzeitiges Ausweichen ersparen sind Guter Gebrauch der Energie. Mit Trainingspartnern so umgehen, dass sie auch etwas lernen und ins nächste Training gerne wiederkommen ist Gemeinsames Gedeihen. Auch wenn man im Alltag jemandem beibringt, wo die eigenen Grenzen sind und dass man diese respektiert haben möchte, haben beide etwas gelernt und sind ein Stück weiter gediehen.
Im Laufe des Kurses wurden verschiedene Bereiche aus dem Alltag angeschaut, und dahingehend analysiert, wo und wie dort die Judoprinzipien zur Anwendung kommen oder missachtet werden. Das Gegenüberstellen von Suchtprinzip und Judoprinzip hat weniger mit Kampfsport zu tun, gibt aber wertvolle Hinweise auf das Verhalten im Alltag. Praktische Übungen wechselten mit theoretischen Ausflügen in die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche. Die kleine Teilnehmerschar zeigte sich ebenso diskussions- wie bewegungsfreudig und ging nach 4 Stunden zufrieden und mit neuen Gedankengängen bereichert wieder auseinander.
Johanna Federer